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BeitragVerfasst: Mi Apr 29, 2009 9:47 am 
Hallo!

Verstehe ich Sartre richtig?(im Religionsunterricht nehmen wir gerade Sartre durch)

Er meint, dass der Mensch von Anfang an eine Urverzweiflung in sich trägt, denn er ist einfach in die Welt geworfen worden, ohne eine Existenz, die er aber in sein späteres Leben aufbauen soll.
Es gibt nämlich keine allgemeine menschliche Natur.(Hier habe ich nun ein Verständnisproblem)



Meint Sartre nun, dass es keinen Gott gibt, der die menschliche Natur erschaffen hat oder dass es Gott zwar geben kann, aber der die menschliche Natur nicht erschaffen hat.


Der Mensch hat keine Orientierung, denn es gibt keine allgemeingültige und feste Werte, denn es gibt keinen Gott. Der Mensch ist zwar nicht verantwortlich dafür, dass er lebt, aber ist verantwortlich für all das, was er aus sich macht. Er wird nun aufgefordert, der zu werden, der er ist (oder doch zu den, den er sein möchte??)

Sartre meint zwar, dass der Mensch frei ist der zu werden, den er sein möchte, aber er verurteilt dennoch, wenn jemand z.B. zum Mörder wird. (?!)

Weil es keinen Gott gibt oder keinen Gott gibt, der verurteilt und weil es deswegen keine Werte und gebote gibt, hat der Mensch alleinige Verantwortung für sich selbst, er muss sein eigener Gesetzgeber werden.

Und weil er sein eigener Richter ist, ist er auch verantwortlich für sich und seine Mitmenschen.(= sittliche Verantwortung)


Stimmen dann die folgenden Schlussfolgerungen?:

Gibt es nun nach Sartre einen Gott oder nicht?
Ich habe es immer so verstanden, dass es egal sei, ob es einen Gott gibt oder nicht.

Sartre will nicht, dass der Mensch sich "unsittlich" verhält, obwohl er meint, dass der Mensch frei ist zu tun und zu lassen, was er möchte. Er ist nur eben verwantworlich für das was er macht.

Wir sind allein verwantwortlich für unser Leben und unser Tun, niemand ist schuldig, doch weil wir uns selbst erschaffen haben, sind wir verantworltich für uns selbst und unsere Mitmenschen?


Viele Grüße


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Do Apr 30, 2009 2:05 am 
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Moderator
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Registriert: Fr Mai 17, 2002 2:40 pm
Beiträge: 2749
Wohnort: BW
Eins vorweg, ich habe mich nie mit Sartre beschäftigt, aber ich versuche mal deinen Beitrag zu kommentieren.

Die erste Frage wäre, was unter der "menschlichen Natur" zu verstehen ist? So wie ich deine Auslegung auffasse, hast du Natur vor allem auf Erschaffung und Evolution/Entwicklung des menschlichen Wesens bezogen. Mein erster Gedanke bei diesem Begriff ging eher in die Richtung "Instinkte, Triebe", einfach etwas das den Menschen steuert und was angeboren ist, abseits jeder Moral und Ethik, die ja anerzogen werden muss. Ich lese den Satz so, dass Sartre wohl meint, dass der Mensch durch das Fehlen dieser "Grundlage" in die Welt "geworfen" wurde, ohne dass ihm eine Richtung angegeben wurde, ohne etwas auf das er sein späteres Leben aufbauen könnte.

Wenn Sartre die Verantwortung über jedes Handeln dem Menschen selbst zuschreibt, dann ist es klar, dass er nicht an Prädestination glaubt. Denn nur ein Mensch der frei in seiner Entscheidung ist und nicht einen beschlossen Muster, sei es durch eine höhere Macht oder nicht, folgt, kann letztendlich auch voll für sein Handeln verantwortlich sein. In solch ein Konzept passt natürlich kein Gott. Er sagt nicht, dass es keine Moral gäbe (sonst würde er Mord nicht verurteilen), aber letztendlich müsste sich der Mensch nicht vor Gott sondern vor sich oder seines Gleichen rechtfertigen. Deswegen ist es auch am Menschen selbst zu richten. Fraglich ist hier natürlich woher dann Rechtsvorstellungen kommen sollen, wenn es ja sowas wie Werte und Normen ja garnicht gibt.

Das ist das was ich aus deinen Zeilen persönlich herauslesen. Ich fürchte hundertprozenig kann man mit den Textbelegen deine Schlussfolgerungen nicht beweisen, aber das heißt nicht, dass sie falsch sein müssen.

Vielleicht kannst du noch mit anderen Textstellen oder Aufschrieben dienen mit denen man etwas mehr herausarbeiten könnte?!

_________________
That was yesterday
But today life goes on
No more hiding in yesterday
Cause yesterday's gone


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