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 Betreff des Beitrags: Deutsch
BeitragVerfasst: Fr Jul 07, 2006 2:42 pm 
Hallo,

Wir sollen die Aussage der Parabel von Franz Kafka "Eine kaiserliche Botschaft" aufschreiben!
Ich find diese Parabel gar nich mal so einfach... :? würd mich freuen wenn ihr mir ein wenig weiterhelfen könnt und einfach ma eure Meinungen zu der Aussage der Parabel schreibt!

Danke,
Grüßle Alex

Hier is mal die Parabel:

Eine kaiserliche Botschaft
Der Kaiser - so heißt es - hat dir, dem Einzelnen, dem jämmerlichen Untertanen, dem winzig vor der kaiserlichen Sonne in die fernste Ferne geflüchteten Schatten, gerade dir hat der Kaiser von seinem Sterbebett aus eine Botschaft gesendet. Den Boten hat er beim Bett niederknien lassen und ihm die Botschaft ins Ohr geflüstert; so sehr war ihm an ihr gelegen, daß er sich sie noch ins Ohr wiedersagen ließ. Durch Kopfnicken hat er die Richtigkeit des Gesagten bestätigt. Und vor der ganzen Zuschauerschaft seines Todes - alle hindernden Wände werden niedergebrochen und auf den weit und hoch sich schwingenden Freitreppen stehen im Ring die Großen des Reichs - vor allen diesen hat er den Boten abgefertigt. Der Bote hat sich gleich auf den Weg gemacht; ein kräftiger, ein unermüdlicher Mann; einmal diesen, einmal den andern Arm vorstreckend schafft er sich Bahn durch die Menge; findet er Widerstand, zeigt er auf die Brust, wo das Zeichen der Sonne ist; er kommt auch leicht vorwärts, wie kein anderer. Aber die Menge ist so groß; ihre Wohnstätten nehmen kein Ende. Öffnete sich freies Feld, wie würde er fliegen und bald wohl hörtest du das herrliche Schlagen seiner Fäuste an deiner Tür. Aber statt dessen, wie nutzlos müht er sich ab; immer noch zwängt er sich durch die Gemächer des innersten Palastes; niemals wird er sie überwinden; und gelänge ihm dies, nichts wäre gewonnen; die Treppen hinab müßte er sich kämpfen; und gelänge ihm dies, nichts wäre gewonnen; die Höfe wären zu durchmessen; und nach den Höfen der zweite umschließende Palast; und wieder Treppen und Höfe; und wieder ein Palast; und so weiter durch Jahrtausende; und stürzte er endlich aus dem äußersten Tor - aber niemals, niemals kam es geschehen -, liegt erst die Residenzstadt vor ihm, die Mitte der Welt, hochgeschüttet voll ihres Bodensatzes. Niemand dringt hier durch und gar mit der Botschaft eines Toten.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Fr Jul 07, 2006 3:13 pm 
Ich will hier, gleich vorweg, auf nichts garantieren, vielleicht überprüft der ein oder andere nocheinmal, ob das so durchgehen kann, oder erklärt es besser. Ich wäre auch sehr dankbar dafür. Ich habe soetwas noch nie vorher gemacht, also versuche ich es einfach mal:

Ich denke, die soll bedeuten, daß in solch einer elitären Gesellschaft nicht einmal der Kaiser selbst den "Schattengestalten", den Armen, am Rande der authoritären Ballungszone lebend, über lange vergangene Zeit bis an den Rand der Gesellschaft verdrängt, Gehör verschaffen kann, sozusagen ist ihm sein eigenes Konzept entwachsen, wie er die Kontrolle verloren hatte, verselbstständigte es sich. Zu lange wurden diese Leute vergessen, verachtet, an den Rand gedrängt. Die kaiserliche Dominanz hat sich mit seinen Palästen wie ein riesiger Tumor in die Freiheit der einfachen, stimmlosen Leute gefressen, seinen reichen Gönnern Nährboden in dieser Geschwulst verschafft. Vor dieser von Verachtung genährten Verfolgung ihrer freien Rechte sind die Armen der untersten Gesellschaftsschichten bis an die Grenzen des Landes geflüchtet, dort wurden sie vergessen. Vielleicht wurden dem Kaiser diese Leute erst im Tod wieder bewusst, er erinnerte sich daran, was er angerichtet hatte, wo diese Verlorenen geblieben waren. Und als der Kaiser schließlich tot war, war auch seine Botschaft nichts mehr wert, er hatte seinen Geltungsanspruch verloren, zu weit hatte er es kommen lassen. Zu spät kam seine Einsicht, als er selbst dem Tod, den er den Unteren zugemessen hatte, nahe geworden war.

Wie gesagt, ich garantiere nicht auf die Richtigkeit meiner Annahme, geringfügig möglich kann es sogar Schwachsinn sein.

Gruß,
Daniel


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Sa Jul 08, 2006 4:29 pm 
Hi, also ich würde so schreiben:

In der Parabel geht es um einen Kaiser, der einem Untertanen kurz vor seinem Tod eine Botschaft vermittelt. Der Untertan schein zunächst geeignet, diesen ungenannten Befehl auszuführen, jedoch erfährt man später, dass er an der Masse der Menschen und an dem Weg, der niemals zu enden scheint, scheitert.

Am Anfang wird die dominierende und herrschende Machtposition des Kaisers dargestellt. Im Gegensatz dazu wird der Untertan als nichtig und „jämmerlich“ beschrieben.
Dann muss der Bote die Nachricht dem Kaiser wieder ins Ohr flüstern so dass er sie bestätigen kann. Hierdurch werden die Rollen der Personen getauscht: der Untertan muss dem Kaiser etwas sagen. Die Wichtigkeit dieser Botschaft wird durch das Wiederholen unterstrichen

Obwohl der Bote zunächst als sehr schwach und jämmerlich beschrieben wurde, wird er jetzt als „kräftig und unermüdlich“ tituliert. Zu dem plötzlichen Wandel kam es, da er mit der Aufgabe an Selbstbewusstsein gewann.
Er möchte seine Aufgabe erfüllen, aber er kommt aus dem Labyrinth aus Wohnstätten, Palästen, Höfen und Treppen einfach nicht heraus.

Im Laufe der Parabel wird ersichtlich, dass der Untertan seine Botschaft an einen anderen Untertanen weiterzusagen niemals erfüllen kann, da er von vielen Hindernissen und Menschen aufgehalten wird.
Jedoch wird auch am Ende das Rätsel, was der Kaiser dem Untertan je gesagt hat, nicht gelöst.

Was hast du mittlerweile rausgefunden Alex?


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Sa Jul 08, 2006 8:16 pm 
Offline
User

Registriert: Fr Jun 16, 2006 6:36 pm
Beiträge: 48
Hallo!
Wir haben "Eine kaiserliche Botschaft"auch schon interpretiert.
Ich hoffe, ich kann dir hiermit ein wenig weiterhelfen:

- Die Parabel ist in einem Textblock geschrieben (keine Abschnitte)
- Lange Sätze mit vielen Strichpunkten und Gedankenstrichen
- Der Leser direkt angesprochen ->der sterbende Kaiser will ihm noch eine Mitteilung machen ("gerade dir")
- "so heißt es" -> Erzähler ist sich nicht ganz sicher
- Bote geht auf den Weg - man hat den Eindruck, dass er es auf jeden Fall schaffen wird
- Zeile erstes "aber" (hier würde man eigentlich auch einen Absatz machen)
- Erzähler wird "pessimistisch" -> glaubt nicht mehr so richtig daran, dass es der Bote schafft (Weg ist zu weit, zu viele Menschen)
- Am Ende mischt sich der auktoriale Erzähler ein und nimmt, was er gesagt hat wieder zurück

Das steht zu mindest noch in meinem alten Heft... :wink:
Meggie


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